Potentielle Nachfrage Informationen für Reiseveranstalter Gemeinsame Initiativen Fehlen einer "grünen Ecke"  

Über diese Publikation
Vorwort
Europa
Die Europäische Union
Zielgebiete
Tabelle: Schlüsselindikatoren
Ökolabel im Tourismus
Der Tourismusmarkt
Der VISIT Ansatz
Der VISIT Standard
VISIT Umweltzeichen
VISIT Imagekampagne
Leichter Zugang zu zertifizierten Produkten
Der VISIT Verband
Ausblick 2010
Danksagung

 

Der Tourismusmarkt

B. Reiseveranstalter brauchen zuverlässige Informationen

Als Vermittler zwischen Touristen und touristischen Anbietern stellen Reiseveranstalter komplette Urlaubspakete zusammen, die dem Verbraucher entweder auf direktem Wege oder über Reisebüros angeboten werden. Jedes Angebot besteht aus der Unterbringung (meist einschließlich Verpflegung) und dem Transport zum und im Zielgebiet, z.B. zu Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten, kulturellen Events oder Ausflügen. Reiseveranstalter haben meist keine direkte Kontrolle über die einzelnen Serviceleistungen und ihre Auswirkungen auf die Umwelt oder das soziale Umfeld. Jedoch erwarten Verbraucher immer häufiger, dass Reiseveranstalter nicht nur Produktqualität und Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern auch eine hohe soziale und umweltbezogene Nachhaltigkeit der Angebote garantieren.

Reiseveranstalter arbeiten aktiv für mehr Nachhaltigkeit
Seit den 90er Jahren haben manche Reiseveranstalter begonnen, Nachhaltigkeitsaspekte in ihrer täglichen Arbeit zu berücksichtigen. Beispiele sind:

  • Internes Management durch Energiesparmaßnahmen und die Verwendung von erneuerbaren und recyclebaren Ressourcen (z.B. bei Büromaterial und gedruckte Informationen),
  • Produktentwicklung durch das Planen und Zusammenstellen solcher Reiseangebote, die negative umweltbezogene, wirtschaftliche und soziale Auswirkungen verringern,
  • Vorbildfunktion und Kundenservice durch die Kennzeichnung nachhaltiger Angebote in den Katalogen durch eigenes verantwortungsvolles Verhalten (z.B. Code of Conduct) und durch Informationen verantwortungsvolles Handeln in den Zielgebieten,
  • Unterstützung der Interessensverbände und Behörden in Zielgebieten durch aktive Mitarbeit (z.B. lokale Agenda 21 in Gemeinden) und durch finanzielle Unterstützung von Umweltschutz- und Entwicklungsprojekten,
  • Eine Umweltverträglichkeits- oder Nachhaltigkeitsprüfung für Angebote, bevor sie in den Katalog aufgenommen werden, und Nachhaltigkeitskriterien in den Verträgen mit den Anbietern vor Ort.

Angebote mit geprüfter Umweltqualität bringen Vorteile für Reiseveranstalter
Mit zertifizierten Tourismusanbietern zusammenzuarbeiten bringt Reiseveranstaltern viele Vorteile:

  • Produkte mit geprüfter Umweltqualität können als „Qualität Plus-Produkte“ bezeichnet werden. Für viele der ausgezeichneten Anbieter ist die Verbesserung der Umweltqualität ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Gesamtqualität,
  • Zertifizierungssysteme garantieren die Umweltleistungen von touristischen Produkten, indem sie die Betriebe von einer unabhängigen Stelle prüfen lassen,
  • Es lohnt sich auch wirtschaftlich, einen „grünen“ Weg zu gehen: Die Kosten für die Prüfung werden meist schnell durch die Ersparnis von Wasser und Energie oder die Verringerung des Abfallaufkommens aufgewogen,
  • Der gute Ruf eines engagierten Unternehmens, wirkt sich positiv auf die Kundenzufriedenheit, den Markenwert und den Bekanntheitsgrad aus und eröffnet dadurch langfristig bessere Chancen auf dem Markt,
  • Qualitativ hochwertige und nachhaltige Angebote der Reiseveranstalter reduzieren das Risiko von Konflikten mit Verwaltungen und der lokalen Bevölkerung und verbessern somit den Ruf als seriöser Partner in den Zielgebieten. Dies wirkt sich positiv auf das Kerngeschäft eines Reiseveranstalters aus, verbessert die Wettbewerbsfähigkeit etablierter Produkte und die Möglichkeiten für neue Produktentwicklungen, fördert die gute Zusammenarbeit mit lokalen Verwaltungen und die Zufriedenheit der eigenen Mitarbeiter,
  • Das Urlaubsangebot mit dem Plus an Qualität bleibt dem Gast lange in positiver Erinnerung und trägt damit entscheidend zur langfristigen Kundenbindung bei: ein wichtiger Bestandteil für einen erfolgreichen Tourismus.

Reiseveranstalter sind bereit, Produkte mit geprüfter Umweltqualität anzubieten
Im Jahre 2002 führte ECEAT eine Umfrage bei 105 Reiseveranstaltern in verschiedenen Ländern Europas durch. Ungefähr 65% der Befragten sind an einer „grünen“ Kennzeichnung von Produkten mit geprüfter Umweltqualität interessiert. Jedoch setzen lediglich 5% diese Kennzeichnung auch tatsächlich um. Warum?

  • Die meisten Reiseveranstalter sind sich nicht bewusst, dass sie bereits mit ausgezeichneten Unterkünften zusammenarbeiten. Nur 10 % der zertifizierten Betriebe informieren den Reiseveranstalter aktiv über ihr Umweltengagement und die Auszeichnung.
  • In den meisten europäischen Zielgebieten, insbesondere in Süd- und Mitteleuropa, gibt es zu wenig zertifizierte Produkte.
  • Es fehlt an Klarheit und Transparenz innerhalb der Zertifizierungen für nachhaltigen Tourismus. Reiseveranstalter meinen, dass es zu viele Umweltzeichen gibt, die nur sehr schwer miteinander vergleichbar sind. Sie sind auf der Suche nach einem Umweltzeichen oder zumindest einem Standard, der auf europäischer oder internationaler Ebene anerkannt ist.
  • Reiseveranstalter brauchen einen leichten Zugang zu seriösen „grünen“ Produkten, aber die meisten wissen nicht, wo sie solche Produkte finden können. Ihrer Meinung nach fehlen umfassende und übersichtliche Informationen.
  • Häufig fehlt es den Reiseveranstaltern an Kapazitäten, um in die Umweltverträglichkeit ihrer touristischen Angebote zu investieren.

Gemeinsame Initiativen

Obwohl jedes Unternehmen für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsaspekte selbst verantwortlich ist, können sektorale Ansätze und gemeinsame Initiativen die Bemühungen der Betriebe ergänzen und Synergien schaffen.

International Tour Operators‘ Initiative für nachhaltige Tourismusentwicklung
Die internationale Tour Operators Initiative für nachhaltige Tourismusentwicklung ist eine freiwillige Non-Profit-Initiative, die für alle Reiseveranstalter weltweit zugänglich ist. Die 22 Mitglieder verpflichten sich zur Entwicklung und Durchführung von gemeinsamen Aktivitäten, um Methoden und Praktiken für eine nachhaltige Entwicklung im Tourismus zu fördern und zu verbreiten. Der Bericht Sustainable Tourism, the Tour Operators’ Contribution ist erhältlich unter:
www.toinitiative.org

 

forum anders reisen
Das forum anders reisen ist eine Dachorganisation von rund 80 kleinen und mittelständigen deutschen Reiseveranstaltern und Reiseagenturen. Sie setzen sich aktiv für hohe Umwelt- und Sozialstandards ein und versuchen gemeinsam ihre nachhaltigen Angebote einem größeren Publikum anzubieten. Das forum anders reisen ist Mitbegründer der neuen Initiative in Deutschland „atmosfair – klimabewusst reisen“ (carbon offset fund).
www.forum-anders-reisen.de

 

ANVR, Niederländischer Reiseveranstalterverband
Der niederländische Reiseveranstalterverband ANVR führt ein Integrated Responsible Tourism Programme durch, das für alle 200 Mitglieder obligatorisch ist. Der „Aktionsplan“, den jeder Reiseveranstalter erarbeiten und umsetzen muss, umfasst das interne Management unter Einbeziehung der Mitarbeiter sowie das Einkaufs- und Vertragsmanagement für alle Dienstleistungen im Zielgebiet (Transport, Unterkunft, Ausflüge, Unterhaltung usw.)
www.anvr.nl

 

Schlussfolgerung:

Das Fehlen einer „Grünen Ecke“

Die potentielle Nachfrage der Verbraucher und das wachsende Interesse und Engagement der Reiseveranstalter sollten die Umweltzeichen ermutigen, gemeinsamen Kooperationen anzustreben und zu nutzen. Die meisten Zertifikate können tatsächlich den vom Verbraucher gewünschten Mehrwert anbieten, auch wenn zertifizierte Angebote bislang noch nicht ausreichend verfügbar sind. Der europäische „Supermarkt Tourismus“ braucht eine attraktive „grüne Ecke“, die sich Schritt für Schritt von einer kleinen Nische zu einem signifikanten Marktanteil entwickelt und somit erfolgreich zu mehr Nachhaltigkeit im Tourismus beiträgt.
Dieser Herausforderung widmet sich die VISIT Initiative in Zusammenarbeit mit allen be­teilig­ten Interessenverbänden.