Geringer Marktanteil Vielfalt der Umweltzeichen

 

Über diese Publikation
Vorwort
Europa
Die Europäische Union
Zielgebiete
Tabelle: Schlüsselindikatoren
Ökolabel im Tourismus
Der Tourismusmarkt
Der VISIT Ansatz
Der VISIT Standard
VISIT Umweltzeichen
VISIT Imagekampagne
Leichter Zugang zu zertifizierten Produkten
Der VISIT Verband
Ausblick 2010
Danksagung

 

Ökolabel im Tourismus

Viele Zertifikate – eingeschränkte Wirkungen

Im Jahre 2000/2001 erhielt ECOTRANS von der World Tourism Organisation (WTO) den Auftrag für eine weltweite Studie über freiwillige Initiativen für einen nachhaltigen Tourismus. Über 100 Umweltzertifikate und Selbsterklärungen wurden untersucht, ihre Entstehung, Ziele, Anforderungen, Verfahrensweisen und Wirkungen analysiert. Ergebnis: Viele Zertifikate haben große Schwierigkeiten zu überleben und ihre Zusagen an die zertifizierten Betriebe bezüglich Bekanntheitsgrad und Umsatzplus einzuhalten.

WTO Bericht “Voluntary initiatives in Tourism, Worldwide Inventory and Comparative Analysis of 104 Eco-labels, Awards and Self-Commitments”

Buch-/CD-Bestellung
unter:
www.world-tourism.org

Vielfalt des Tourismus – Vielfalt der Umweltzeichen
Europa hat weit mehr „grüne“ Zeichen als irgendein anderer Kontinent. In den 80er und 90er Jahren wurden immer mehr Tourismusverbände, Verbrauchervereinigungen und Behörden auf den „ökologischen“ Tourismus aufmerksam und starteten entsprechende Initiativen. 2004 gab es mehr als 50 Umweltzertifikate und Wettbewerbe in Europa für nahezu alle Arten touristischer Dienstleistungen: Unterkünfte, Strände, Sportboothäfen, Schutzgebiete, Restaurants, Handwerksbetriebe, Golfplätze, Reisepauschalen und andere mehr. Über 40 Systeme konzentrieren sich auf Unterkünfte: Hotels mit oder ohne Restaurants, Campingplätze, Jugendherbergen, Bauernhöfe, Berghütten, Ferienhäuser, Gästehäuser, Bed and Breakfast Betriebe und andere.
www.eco-tip.org

Die Vielfalt der touristischen Dienstleistungen in Europa stellt jedoch enorme Herausforderungen an die Umweltzertifikate. Denn bei der Entwicklung eines Ökolabels müssen viele Aspekte berücksichtigt werden: Für welche Produktgruppe soll das Zeichen gelten? Welche Serviceleistungen sollen unter die Zertifizierung fallen? Welche Kriterien müssen erfüllt werden, welche werden als Kann-Kriterien definiert? Halten sich Prozesskriterien für Struktur und Abläufe und Leistungskriterien für konkrete Umweltleistungen die Balance? Wie können Betriebe motiviert werden, sich für das Ökolabel zu bewerben? Wie können Bewerber effizient beraten werden? Wie kann man Reiseveranstalter und potentielle Kunden erreichen, um die Nachfrage nach umweltfreundlichen Angeboten zu schaffen bzw. zu erhöhen? Wie kann die Einhaltung der Kriterien bei den Bewerbern geprüft und garantiert werden?
Grundsätzliche Voraussetzung für ein Umweltzeichen ist eine homogene Produktgruppe mit klar definierten und gemeinsamen Eigenschaften, damit Umwelteinflüsse entsprechend verglichen und bewertet werden können. Für jede Produktgruppe müssen eigene Kriterien entwickelt werden, die

  • über die gesetzlichen regionalen oder nationalen Anforderungen hinausgehen
  • für 10-30% der Unternehmen in der Produktgruppe gut erreichbar sind, um dem Verbraucher eine ausreichende „bessere Auswahl“ an touristischen Angeboten zu bieten.

Geringer Marktanteil
Abgesehen von der erfolgreichen „Blauen Flagge“ für Strände und Sportboothäfen haben die übrigen Zertifikate im Tourismus bisher nur einen geringen Anteil an Betrieben für ihre Auszeichnung gewinnen können. 2003 gab es insgesamt ca. 4.000 zertifizierte Hotels, Campingplätze oder andere Beherbergungsbetriebe in Europa, zusammen weniger als 1% der Unterkünfte in Europa. Nur wenige Zeichen – z.B. in Schottland oder Dänemark – haben einen Marktanteil von mehr als 10% in ihrem Gebiet. Die meisten der ausgezeichneten Betriebe haben erfolgreich ihren Wasser- und Energieverbrauch verringert, ihr Abfallvolumen reduziert, Reinigungsmittel eingespart, zur Verringerung von Verkehrsproblemen und zum Erhalt einer intakten Natur und Landschaft beigetragen. Trotzdem reicht das Argument der Kostenersparnis in der Regel nicht aus. Viele Betriebe beantragen ein Ökolabel und zahlen Gebühren für die Lizenz in der Erwartung, mehr Kunden zu gewinnen und den Umsatz kontinuierlich zu steigern. Dieses wichtige „Verkaufsargument“ können die Umweltzeichen bis heute nur sehr eingeschränkt realisieren.

Vielfalt der Umweltzeichen
Jedes Zertifikat hat seine eigene Geschichte. Alle zusammen bieten einen großen Reichtum an Wissen und Erfahrungen. Es gibt

  • Öffentliche, private und partnerschaftliche öffentlich-private Systeme
  • Zertifikate für alle Arten von Dienstleistungen oder nur für bestimmte Unterkünfte
  • Zeichen, die seit 15, seit 7 oder erst seit 2 Jahren bestehen
  • Sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Festlegung der „besser als” Kriterien: klimatische Unterschiede, Umweltbedingungen, nationale Gesetze, technischer Standard
  • verschiedene Anforderungsniveaus bei Bronze-Silber-Gold Systemen
  • Systeme mit vielen oder nur wenigen zertifizierten Produkten (z.B. von 0,5 – 20% der Unterkunftsbetriebe)
  • Zertifikate in kleinen oder großen geografischen Gebieten (regional, national, international)
  • Zeichen mit umfassenden oder sehr einfachen Prüfungsverfahren
  • Systeme mit hohen, mittleren oder geringen Gebühren für Bewerber und Lizenz­träger
  • Umweltzeichen mit umfassenden oder sehr begrenzten Marketingmöglichkeiten
  • exzellente oder sehr eingeschränkte Informationen über die Systeme
  • …und vieles mehr