| Der Tourismuskreislauf
Da der Tourismus per definitionem die Bewegung eines Menschen von
einem Ort zum anderen beinhaltet, wird dabei nicht nur die lokale
Nachhaltigkeit, sondern auch die regionale oder gar globale Nachhaltigkeit
beeinflusst. In der Vergangenheit wurde dieses Problem nicht ausreichend
berücksichtigt, weder in der Tourismustheorie noch in der
Tourismuspolitik. Egal ob eine Reise individuell oder von einer
kommerziellen Reiseagentur organisiert wurde, der Tourismus kann
immer in drei Zyklen aufgeteilt werden: Den Zyklus der An- und
Rückreise, den Zyklus des Aufenthalts und den Zyklus der Aktivitäten.
Jeder dieser drei Bereiche hat einen unterschiedlichen Aktionsradius
und unterschiedliche Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit:
- Die An- und Abreise ist immer Teil jedes Tourismuskreislaufs;
ihre Auswirkungen sind auf der supra-regionalen bis zur globalen
Ebene zu finden.
- Der Aufenthalt im Zielgebiet ist eine
andere definierte und messbare Komponente jeder einzelnen touristischen
Aktivität
(entweder mit oder ohne Übernachtung, wie z.B. Tagesausflüge);
die Auswirkungen dieses Zyklus sind hauptsächlich auf regionaler
Ebene zu spüren.
- Die Aktivitäten im Zielgebiet
sind von Tourist zu Tourist unterschiedlich und sind von den
Angeboten und Möglichkeiten
vor Ort abhängig; ihre Auswirkungen sind ebenfalls hauptsächlich
auf regionaler Ebene zu spüren.
Ebene |
globale/regionale Ebene |
Lokale Ebene |
Zyklus |
An- und Abreise |
Aufenthalt im Zielgebiet
|
Aktivitäten im Zielgebiet |
Beschreibung |
Touristischer Verkehr, Reise mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln |
Einrichtung von Unterkünften,
Pflege und Bewirtschaftung der Unterkunft,
Anlieferung von Essen und sonstige Güter,
Abfallentsorgung |
Einrichtung touristischer Anlagen,
Pflege und Bewirtschaftung der touristischen Anlagen,
Mobilität vor Ort,
touristische Aktivitäten verbunden mit den Anlagen,
touristische Aktivitäten, die keine speziellen Anlagen
erfordern |
Hauptprobleme im Bereich Tourismus und nachhaltige Entwicklung Nach sorgfältiger Analyse der heutigen Trends im touristischen
Bereich können die folgenden Hauptprobleme identifiziert
werden:
- Tourismusverkehr (An- und Abreise, Mobilität vor Ort):
Der touristische Verkehr, insbesondere Flugreisen und PKW-Verkehr,
tragen immer mehr zur globalen Erwärmung, Klimaänderung
und der Erschöpfung der Erdölressourcen bei. Emissionen,
Lärm
und Verkehrsstaus gehören in zunehmendem Maße zu
den Problemen der touristischen Zielgebiete und entlang der
großen touristischen
Reiserouten. 90% des Energieverbrauches im touristischen Sektor
werden für An- und Abreise benutzt. Die Tendenz für
Flugreisen ist steigend, vor allem im Bereich der Kurzflüge.
Weitere Tendenzen sind transportintensive Events, größere
Zielgebiete und unnachhaltige Urlaubsmuster (mehrere Reisen
pro Person pro Jahr, kürzerer
Aufenthalt, größere Abstände und anti-zyklische
Aktivitäten,
z.B. Ski fahren im Sommer und Schwimmen im Winter), die alle
die Belastungen durch den Tourismusverkehr erhöhen.
- Belastungsgrenzen – Landschaftsverbrauch,
Biodiversität,
touristische Aktivitäten: Tourismus ist ein Großverbraucher
von Land und Natur auf lokaler Ebene. Negative Trends beinhalten
die steigende Zahl von Zweithäusern, von touristischen
Aktivitäten
mit intensivem Landverbrauch (wie z.B. Ski fahren und Golf)
oder von motorisierten Aktivitäten in der Natur.
- Energieverbrauch:
Touristische Anlagen verbrauchen zunehmend Energie für
Klimaanlagen, Verkehr, oder Innenaktivitäten,
wodurch die Art der Energiequelle (erneuerbar – nicht-erneuerbar)
von hohem Interesse ist.
- Wasserverbrauch: Manche Zielgebiete,
wie z.B. Inseln oder südliche
Küstenregionen, haben ein zunehmendes Problem mit der
Trinkwasserversorgung, und an manchen Stellen ist sogar eine
Konkurrenzsituation zwischen den lokalen Wirtschaftsbereichen
(z.B. Landwirtschaft) und dem Tourismus entstanden. Auch Abwasser
kann ein Problem für massentouristische
Zielgebiete werden.
- Abfallmanagement: Abfall wird in
zunehmendem Maße ein
Problem für touristische Zielgebiete und Siedlungsgesellschaften,
die durch den Tourismus überfordert werden und nicht die
ausreichende Kapazität besitzen, saisonale Spitzenbelastungen
zu bewältigen.
- Soziale und kulturelle Entwicklung:
Schlechte Arbeitsbedingungen, Saisonarbeit oder eine hohe Abhängigkeit
von der Tourismusindustrie können ein negatives soziales
Klima schaffen, das schädlich
für das gesamte Zielgebiet ist.
- Ökonomische
Entwicklung: Eine große Abhängigkeit
von der Tourismusindustrie, große Unterschiede in der
Saisonarbeit oder ein hoher Prozentanteil von Tagesbesuchern
können einen sowohl
schädlichen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben
als auch negative Effekte auf die ökonomische Entwicklung
hervorrufen.
- Institutionelle Regelungen: Maßnahmen,
die von lokalen und regionalen Einrichtungen unternommen wurden
und Instrumente, die entwickelt wurden, um Nachhaltigkeitsstrategien
einzuführen und
verschiedene Interessenverbände in den Prozess miteinzubeziehen.
Welche Art von Indikatoren?
Es gibt Hunderte von Indikatoren, die es ermöglichen, alle relevanten
Themen detailgetreu zu überwachen. Ein kleines Set von „Schlüsselindikatoren“ sollte
folgendes umfassen:
- Hohe Effizienz mit Bezug auf nachhaltige Entwicklung (speziell
im Tourismussektor)
- Hoher Bezug zur Tourismusqualität
(positiv oder negativ)
- Hoher Einfluss auf die Wahrnehmung
von Touristen
- Daten, die von existierenden oder einfach
zugänglichen
Quellen abgeleitet werden können (falls manche Kernzahlen
auf lokaler Ebene nicht vorhanden sind, werden die Zielgebiete
gebeten, zumindest eine Schätzung anhand von Besucherumfragen
oder regionalem Fachwissen zu geben)
- Hohe Zuverlässigkeit,
die es ermöglicht, verschiedene
Regionen miteinander zu vergleichen.
Diese Indikatoren sollten das tatsächliche Besucherverhalten
in einem Zielgebiet widerspiegeln, wie z.B. „Der Anteil von
umweltfreundlichen Anreisen“ und nicht etwa nur die auf Papier
bestehenden Möglichkeiten, wie etwa „die Existenz von
Abholsystemen von Flughäfen und Bahnhöfen“, die möglicherweise
von Touristen kaum benutzt werden.
Die Indikatoren sollten ermöglichen, vergleichbare Werte für
verschiedene Zielgebiete abzuleiten. Nördliche Gebiete oder
Bergregionen verbrauchen, z.B. viel mehr Energie für die Beheizung
der Unterkünfte und Anlagen als sonnige Strandregionen. Es würde
keinen Sinn machen, nur die Energieverbrauchswerte zu messen, da
die einzelnen Werte von der Lage der Zielgebiete abhängig sind.
Wird jedoch auf den Anteil des Energieverbrauchs geachtet, der aus
erneuerbaren Energiequellen stammt, haben wir einen gültigen
Indikator, der für alle Zielgebiete eingesetzt werden kann.
Ein Set von Indikatoren als Testversion wurde entwickelt und in 10 Zielgebieten
getestet: Riviera dei Gelsomini/Italy, Lillehammer/Norway,
Praesto Fjord/Denmark, Soumenlinna/Finland, Söderslätt/Sweden, Comune
di Ravenna/Italy, Werfenweng/Austria, Hallstatt/Austria, Sirnitz/Austria and
Lesachtal/Austria.
Diese Testergebnisse führten zu einem Kernset von Indikatoren (Tabelle
2).Sie werden als vorrangige Indikatoren empfohlen, da diese Daten
bereits vorhanden sein sollten bzw. einfach vom Zielgebiet beschafft
werden können.
Erfolgreiches eco-labelling von touristischen
Dienstleistungen wird als ein „treibendes“ Instrument angesehen, um die Nachhaltigkeits-
und Qualitätsziele zu erreichen. Redaktionelle Anmerkungen
|