SchlüsselindikatorenRolle von IndikatorenDer TourismuskreislaufArten von Indikatoren
TABELLE: Schlüsselindikatoren
 
 

Über diese Publikation
Vorwort
Europa
Die Europäische Union
Zielgebiete
Tabelle: Schlüsselindikatoren
Ökolabel im Tourismus
Der Tourismusmarkt
Der VISIT Ansatz
Der VISIT Standard
VISIT Umweltzeichen
VISIT Imagekampagne
Leichter Zugang zu zertifizierten Produkten
Der VISIT Verband
Ausblick 2010
Danksagung

 

Der Tourismuskreislauf

Da der Tourismus per definitionem die Bewegung eines Menschen von einem Ort zum anderen beinhaltet, wird dabei nicht nur die lokale Nachhaltigkeit, sondern auch die regionale oder gar globale Nachhaltigkeit beeinflusst. In der Vergangenheit wurde dieses Problem nicht ausreichend berücksichtigt, weder in der Tourismustheorie noch in der Tourismuspolitik. Egal ob eine Reise individuell oder von einer kommerziellen Reiseagentur organisiert wurde, der Tourismus kann immer in drei Zyklen aufgeteilt werden: Den Zyklus der An- und Rückreise, den Zyklus des Aufenthalts und den Zyklus der Aktivitäten.
Jeder dieser drei Bereiche hat einen unterschiedlichen Aktionsradius und unterschiedliche Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit:

  • Die An- und Abreise ist immer Teil jedes Tourismuskreislaufs; ihre Auswirkungen sind auf der supra-regionalen bis zur globalen Ebene zu finden.
  • Der Aufenthalt im Zielgebiet ist eine andere definierte und messbare Komponente jeder einzelnen touristischen Aktivität (entweder mit oder ohne Übernachtung, wie z.B. Tagesausflüge); die Auswirkungen dieses Zyklus sind hauptsächlich auf regionaler Ebene zu spüren.
  • Die Aktivitäten im Zielgebiet sind von Tourist zu Tourist unterschiedlich und sind von den Angeboten und Möglichkeiten vor Ort abhängig; ihre Auswirkungen sind ebenfalls hauptsächlich auf regionaler Ebene zu spüren.

Ebene

globale/regionale Ebene

Lokale Ebene

Zyklus

An- und Abreise

Aufenthalt im Zielgebiet

Aktivitäten im Zielgebiet

Beschreibung

Touristischer Verkehr, Reise mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln

Einrichtung von Unterkünften,
Pflege und Bewirtschaftung der Unterkunft,
Anlieferung von Essen und sonstige Güter,
Abfallentsorgung

Einrichtung touristischer Anlagen,
Pflege und Bewirtschaftung der touristischen Anlagen,
Mobilität vor Ort,
touristische Aktivitäten verbunden mit den Anlagen,
touristische Aktivitäten, die keine speziellen Anlagen erfordern


Hauptprobleme im Bereich Tourismus und nachhaltige Entwicklung

Nach sorgfältiger Analyse der heutigen Trends im touristischen Bereich können die folgenden Hauptprobleme identifiziert werden:

  • Tourismusverkehr (An- und Abreise, Mobilität vor Ort): Der touristische Verkehr, insbesondere Flugreisen und PKW-Verkehr, tragen immer mehr zur globalen Erwärmung, Klimaänderung und der Erschöpfung der Erdölressourcen bei. Emissionen, Lärm und Verkehrsstaus gehören in zunehmendem Maße zu den Problemen der touristischen Zielgebiete und entlang der großen touristischen Reiserouten. 90% des Energieverbrauches im touristischen Sektor werden für An- und Abreise benutzt. Die Tendenz für Flugreisen ist steigend, vor allem im Bereich der Kurzflüge. Weitere Tendenzen sind transportintensive Events, größere Zielgebiete und unnachhaltige Urlaubsmuster (mehrere Reisen pro Person pro Jahr, kürzerer Aufenthalt, größere Abstände und anti-zyklische Aktivitäten, z.B. Ski fahren im Sommer und Schwimmen im Winter), die alle die Belastungen durch den Tourismusverkehr erhöhen.
  • Belastungsgrenzen – Landschaftsverbrauch, Biodiversität, touristische Aktivitäten: Tourismus ist ein Großverbraucher von Land und Natur auf lokaler Ebene. Negative Trends beinhalten die steigende Zahl von Zweithäusern, von touristischen Aktivitäten mit intensivem Landverbrauch (wie z.B. Ski fahren und Golf) oder von motorisierten Aktivitäten in der Natur.
  • Energieverbrauch: Touristische Anlagen verbrauchen zunehmend Energie für Klimaanlagen, Verkehr, oder Innenaktivitäten, wodurch die Art der Energiequelle (erneuerbar – nicht-erneuerbar) von hohem Interesse ist.
  • Wasserverbrauch: Manche Zielgebiete, wie z.B. Inseln oder südliche Küstenregionen, haben ein zunehmendes Problem mit der Trinkwasserversorgung, und an manchen Stellen ist sogar eine Konkurrenzsituation zwischen den lokalen Wirtschaftsbereichen (z.B. Landwirtschaft) und dem Tourismus entstanden. Auch Abwasser kann ein Problem für massentouristische Zielgebiete werden.
  • Abfallmanagement: Abfall wird in zunehmendem Maße ein Problem für touristische Zielgebiete und Siedlungsgesellschaften, die durch den Tourismus überfordert werden und nicht die ausreichende Kapazität besitzen, saisonale Spitzenbelastungen zu bewältigen.
  • Soziale und kulturelle Entwicklung: Schlechte Arbeitsbedingungen, Saisonarbeit oder eine hohe Abhängigkeit von der Tourismusindustrie können ein negatives soziales Klima schaffen, das schädlich für das gesamte Zielgebiet ist.
  • Ökonomische Entwicklung: Eine große Abhängigkeit von der Tourismusindustrie, große Unterschiede in der Saisonarbeit oder ein hoher Prozentanteil von Tagesbesuchern können einen sowohl schädlichen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben als auch negative Effekte auf die ökonomische Entwicklung hervorrufen.
  • Institutionelle Regelungen: Maßnahmen, die von lokalen und regionalen Einrichtungen unternommen wurden und Instrumente, die entwickelt wurden, um Nachhaltigkeitsstrategien einzuführen und verschiedene Interessenverbände in den Prozess miteinzubeziehen.

Welche Art von Indikatoren?

Es gibt Hunderte von Indikatoren, die es ermöglichen, alle relevanten Themen detailgetreu zu überwachen. Ein kleines Set von „Schlüsselindikatoren“ sollte folgendes umfassen:

  • Hohe Effizienz mit Bezug auf nachhaltige Entwicklung (speziell im Tourismussektor)
  • Hoher Bezug zur Tourismusqualität (positiv oder negativ)
  • Hoher Einfluss auf die Wahrnehmung von Touristen
  • Daten, die von existierenden oder einfach zugänglichen Quellen abgeleitet werden können (falls manche Kernzahlen auf lokaler Ebene nicht vorhanden sind, werden die Zielgebiete gebeten, zumindest eine Schätzung anhand von Besucherumfragen oder regionalem Fachwissen zu geben)
  • Hohe Zuverlässigkeit, die es ermöglicht, verschiedene Regionen miteinander zu vergleichen.

Diese Indikatoren sollten das tatsächliche Besucherverhalten in einem Zielgebiet widerspiegeln, wie z.B. „Der Anteil von umweltfreundlichen Anreisen“ und nicht etwa nur die auf Papier bestehenden Möglichkeiten, wie etwa „die Existenz von Abholsystemen von Flughäfen und Bahnhöfen“, die möglicherweise von Touristen kaum benutzt werden.
Die Indikatoren sollten ermöglichen, vergleichbare Werte für verschiedene Zielgebiete abzuleiten. Nördliche Gebiete oder Bergregionen verbrauchen, z.B. viel mehr Energie für die Beheizung der Unterkünfte und Anlagen als sonnige Strandregionen. Es würde keinen Sinn machen, nur die Energieverbrauchswerte zu messen, da die einzelnen Werte von der Lage der Zielgebiete abhängig sind. Wird jedoch auf den Anteil des Energieverbrauchs geachtet, der aus erneuerbaren Energiequellen stammt, haben wir einen gültigen Indikator, der für alle Zielgebiete eingesetzt werden kann.
Ein Set von Indikatoren als Testversion wurde entwickelt und in 10 Zielgebieten getestet: Riviera dei Gelsomini/Italy, Lillehammer/Norway, Praesto Fjord/Denmark, Soumenlinna/Finland, Söderslätt/Sweden, Comune di Ravenna/Italy, Werfenweng/Austria, Hallstatt/Austria, Sirnitz/Austria and Lesachtal/Austria.
Diese Testergebnisse führten zu einem Kernset von Indikatoren (Tabelle 2).Sie werden als vorrangige Indikatoren empfohlen, da diese Daten bereits vorhanden sein sollten bzw. einfach vom Zielgebiet beschafft werden können.

Erfolgreiches eco-labelling von touristischen Dienstleistungen wird als ein „treibendes“ Instrument angesehen, um die Nachhaltigkeits- und Qualitätsziele zu erreichen.

Redaktionelle Anmerkungen


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