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TABELLE: Schlüsselindikatoren

 

Über diese Publikation
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Europa
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Tabelle: Schlüsselindikatoren
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Der VISIT Verband
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Zielgebiete

Schlüsselindikatoren zur Überwachung einer nachhaltigen Tourismusentwicklung

Das typisch europäische touristische Produkt ist zum Großteil von einer nachhaltigen Entwicklung des Zielgebietes abhängig. Die überwiegende Mehrheit der Urlauber erwartet an ihrem Urlaubs­ort eine intakte Umwelt, schöne Landschaften und ein reiches Kulturerbe; sie wünschen sich eine saubere und gesunde Umwelt sowie eine gastfreundliche Atmosphäre. Es besteht in der Tat eine starke Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Qualität. Viele Belange, wie z.B. wenig Lärm, weniger Verkehr, saubere Luft und sauberes Wasser, reiche Kultur und Biodiversität, sind Schwerpunkte von Nachhaltigkeitsstrategien und zur gleichen Zeit auch entscheidend für die Qualität eines Zielgebietes.

Der Tourismus selbst kann eine positive oder negative Rolle im Kontext der Nachhaltigkeit einnehmen. Er verbraucht nicht-erneuerbare Ressourcen (z.B. Land, Wasser und Energie), touristischer Verkehr verursacht Lärm und Luftverschmutzung und trägt auch in steigendem Ausmaß zur globalen Erwärmung bei. Für Tourismusbetriebe macht es wenig Sinn, viel Geld in die Verbesserung ihrer Ökobilanz zu investieren, um damit die allgemeine Qualität zu steigern, wenn gleichzeitig das ganze Zielgebiet an Attraktivität verliert.

Dies sind die Hauptgründe, weshalb die Partner des europäischen LIFE Projektes VISIT Indikatoren zur Messung der Nachhaltigkeit in touristischen Zielgebieten entwickelt haben. Diese Indikatoren sollten es ermöglichen, das Konzept der Nachhaltigkeit im Tourismus bis zur Zielgebietsebene zu erweitern. Die Naturfreunde Internationale wurden in Zusammenarbeit mit ARPA ER mit dieser Aufgabe betraut.

Die u.g. Ergebnisse werden den touristischen Zielgebieten helfen, sowohl ein Indikatorensystem als auch ein Umweltmanagementsystem einzuführen, die ihre touristischen Produkte nachhaltiger werden lassen. Tourismusbehörden, örtliche Verwaltungen und Experten, die im Bereich der nachhaltigen regionalen Entwicklungsverfahren und des Management im Tourismus tätig sind, können die Indikatoren anwenden, um das Niveau und die Abläufe der Nachhaltigkeit in ihrem Zielgebiet zu überwachen.

Nachhaltige Entwicklung
Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung ist zum Brennpunkt der politischen, ökonomischen und sozialen Strategien geworden, das den Marktwirtschaften erlaubt, dann Anpassungen durchzuführen, wenn sie auf Belastungsgrenzen stoßen, die durch die natürliche Umgebung gegeben sind. Dies geschah zum Beispiel zu Beginn der Industrialisierung, als die Industrie große Mengen an Holz verbrauchte, um Energie zu produzieren. Mit dieser Entwicklung war die Existenz großer Waldflächen in Mitteleuropa bedroht. Die Forstwirtschaft hat darauf mit dem Konzept der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder geantwortet (nur soviel Holz aus dem Wald zu entnehmen, als junge Bäume nachgepflanzt wurden). Im Jahre 1975 wurde der berühmte Bericht „Limitations to growth“ (Die Grenzen des Wachstums) vom Club of Rome herausgegeben. In diesem Bericht wird dargelegt, dass die Ressourcen, von denen industrielle Marktwirtschaften abhängig sind, wie z.B. Kohle, Öl oder Erdgas, möglicherweise noch im 21. Jahrhundert ausgeschöpft sind. Der Brundtland Bericht „Our Common Future/Unsere gemeinsame Zukunft“ an die World Commission on Environment and Development ist im Jahre 1987 erschienen. Er verweißt auf globaler Ebene zum ersten Mal auf „nachhaltige Entwicklung“ als „eine Entwicklung, die das Bedürfnis der heutigen Generation erfüllt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen, ihren eigenen Bedürfnissen nachzukommen, zu gefährden“.
Die globalen Umweltkonferenzen von Rio de Janeiro (1992) und Johannesburg (2002) einigten sich auf einen Aktionsplan, um das Konzept der Nachhaltigkeit auf globaler und lokaler Ebene (Agenda 21) einzuführen. Eine nachhaltige Entwicklung sollte der Brennpunkt des ökonomischen, sozialen und umweltbezogenen Managements sein, aber auch kulturelle und institutionelle Dimensionen sollten einbezogen werden. Nachhaltigkeit bedeutet im Wesentlichen, dass ein Weg gefunden werden muss, der es ermöglicht, die Ressourcen unserer Erde ausgewogen zu nutzen, heute und in der Zukunft.

Das Konzept der Nachhaltigkeit versucht dabei, hauptsächlich mit drei Hauptproblemen fertig zu werden: Die zunehmende Ausschöpfung nicht-erneuerbarer Ressourcen, die Übernutzung erneuerbarer Ressourcen und der Natur sowie die Sicherstellung von Gerechtigkeit zwischen Menschen oder Nationen. Es wird vorgeschlagen, diese drei Fragestellungen künftig Nachhaltigkeitsprobleme zu nennen.

Die nachhaltige Entwicklung ist ein politisches Konzept für die ausgewogene Entwicklung von Gesellschaften, auf Basis der auf diesem Planeten vorhandenen natürlichen und menschlichen Ressourcen.

Wie können wir „Nachhaltigkeit“ einem bestimmten Gebiet, einer bestimmten Person oder einer bestimmten Aktivität zuordnen?

Was bedeutet Nachhaltigkeit im praktischen Sinne für Individuen, touristische Betriebe, Dörfer oder Städte? Wie viel Energie und Land stehen pro Person zur Verfügung? Wie viele Kilometer dürfen wir jährlich mit Flugzeug oder Auto reisen? Wie viel Wasser darf ein Tourist verbrauchen?

Leider gibt es keine spezifischen Antworten zu diesen Fragen. Selbst wenn wir die Gesamtmenge aller verbrauchten Ressourcen (Rohstoffe und Energie) und die daraus resultierenden Schadstoffe exakt messen und einzelnen Personen zuordnen könnten, würde es wenig Sinn machen, individuelle Verbraucher- oder Verschmutzungsrechte zuzuteilen (z.B. wie viel CO2 ein Mensch pro Jahr in die Atmosphäre freisetzen dürfte).
Erstens, weil sich die Lebensumstände auf diesem Planeten beträchtlich unterscheiden: In einem Land im Norden, wie z.B. Norwegen, wird mehr Energie zum Heizen verbraucht als zum Beispiel in Spanien. Zweitens, leben wir in einer Welt, die durch die unterschiedliche Verfügbarkeit von Ressourcen und Arbeitsteilung gekennzeichnet ist (Stahl wird z.B. an wenigen Orten der Welt mit vielen Nachteilen für die Umwelt produziert, aber global überall verwendet, ähnlich ist das bei vielen anderen Produkten). Drittens sind wir nicht in der Lage abzuschätzen, wieviel oder wenig Ressourcen zukünftige Generationen verbrauchen werden.

Wir wissen, dass bestimmte Ressourcen und Rohstoffe, wie z.B. Kohle und Erdöl, durch den stetig steigenden Energieverbrauch sehr schnell ausgeschöpft sein werden. Wir wissen, dass Wasser und Boden verschmutzt sind und viele wichtige Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Wir wissen, dass sich die globale Atmosphäre weiterhin aufwärmen wird, wenn wir den Ausstoß der Treibhausgase nicht erfolgreich verringern. Es ist klar, dass es selbst schon heute unmöglich wäre, den verschwenderischen Lebensstil vieler Menschen in den industrialisierten Ländern auf die gesamte Weltbevölkerung zu übertragen. Wir stehen globalen Nachhaltigkeitsproblemen gegenüber, die von uns allen gemeinsam gelöst werden müssen – u.a. durch die Tourismusgemeinschaft.

Zusätzlich zu den globalen Themen gibt es auch lokale Nachhaltigkeitsprobleme, die durch die Lage und Situation des Zielgebietes entstehen. Wenn z. B. Inseln oder südliche Zielgebiete keine ausreichenden Mengen an Trinkwasser besitzen, stehen sie einem Nachhaltigkeitsproblem gegenüber, auch wenn es woanders ausreichende Wasserressourcen gäbe. Das gleiche kann auch von allen anderen nicht beweglichen Ressourcen gesagt werden, wie z.B. Land oder Naturlandschaften.